Erhaltenswerte alte Bausubstanz

Allgemeine Vorbemerkung

Hier soll ein Thema angesprochen werden, das innerhalb des Heimatvereins und in Teilen der Bevölkerung mit wachsender Sorge verfolgt wird:  In den Ortskernen Renningens und Malmsheims ist festzustellen, dass im Rahmen von Sanierungen immer mehr ortsbildprägende alte Bausubstanz abgerissen wird und für immer verschwindet. Das gilt sowohl für eine Reihe zurück-liegender Fälle aus jüngerer Zeit als auch für momentan noch in Planung befindliche Maßnahmen. Diese Entwicklung wird sich auch in Zukunft fortsetzen, offensichtlich wird sie auch durch eine gute Wirtschaftslage begünstigt. Auch die außerordentlich niederen Anlagezinsen und die günstigen Darlehenszinsen führen dazu, dass vermehrt in den Neubau von Immobilien investiert wird.

 

Sicherlich kann nicht alles Alte erhalten werden, es muss auch neuen Bedürfnissen und Standards Rechnung getragen werden. Andererseits steht fest, dass der Erhalt gewachsener, überkommener Strukturen einem Ort Atmosphäre, Charakter und ein unverwechselbares Gesicht verleiht. Der einzelne Flächensanierungsfall ist für sich betrachtet oft von geringer Bedeutung, reiht sich jedoch eine solche Maßnahme an die andere, so sind unwiederbringliche Verluste für das Ortsbild und damit für die Identität unserer Stadt die Folge.

 

In seiner Satzung hat sich der Heimatverein zur Förderung der Pflege und der Erhaltung von Denkmälern aller Art verpflichtet. Wir sind uns darüber im klaren, dass unsere Einflussmöglichkeiten nicht allzu groß sind, dennoch sollten wir versuchen, die verantwortlichen Personen, Eigentümer, Gemeinderat und Stadtverwaltung für diese Problematik zu sensibilisieren. Eventuell müsste auch der Einsatz von Fördermitteln anders gewichtet werden.

 

Nachstehend soll an Hand aktueller Beispiele auf die Problematik hingewiesen werden.

Merklinger Straße 20

 

Auch dieser Blick in eine der ortstypischen alten Hofanlagen in der Merklinger Straße in Malmsheim wird bald der Vergangenheit angehören:

Hier sollen - einer Bauvoranfrage entsprechend - drei Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage entstehen.

(Mai 2017)

Neubebauung beabsichtigt: Das Areal Calwer Straße 10 - 14

 

Für viele Malmsheimer sind sie ein vertrauter Anblick, der zum alten Ortsbild dazugehörte: Die Gebäude Calwer Straße 10 bis 14. Insbesondere die markante stattliche Scheuer an der Kurve am Friedhof, auf die man aus der Renninger Straße direkt zufährt, ist ein optischer „Aufläufer“ von städtebaulich einprägsamer und erwünschter Wirkung.

 

Auch ortsgeschichtlich ist das Areal von nicht geringer Bedeutung: Laut Lagerbuch von 1523 befand sich dort einer der beiden Malmsheimer Herrenhöfe, Besitzer war damals Caspar Scheck. Ein großer Teil der Malmsheimer Bauern hatten ihre Abgaben an diesen Hof zu leisten. Ein Teil der Bausubstanz der Gebäude Calwer Straße 10 und 14 dürfte noch ins

16. Jahrhundert zurückreichen.

 

Die Kreiszeitung/Böblinger Bote hat dem Haus Calwer Straße 10 in ihrer Ausgabe vom 12. August 1994 einen größeren, bebilderten Artikel gewidmet, in dem ausführlich auf den für Malmsheim charakteristischen Haustyp eingegangen wird..

 

Am 15. Juli 2015 hat der Ausschuss "Planen Technik Bauen" des Renninger Gemeinderats eine Bauvoranfrage zum Abbruch der Gebäude positiv beschieden. Bedenken oder Anregungen, die Häuser oder wenigstens die Scheuer zu erhalten, sind nicht bekannt geworden. Am 22. Februar 2016 gab der Ausschuss "Planen-Technik-Bauen" grünes Licht (bei 1 Gegenstimme) für die Neubebauung des Geländes. Zuvor hatte der Heimatverein noch versucht, mit einem Schreiben an alle Ausschussmitglieder ein Umdenken zu erreichen. Dieses Schreiben ist nachstehend wiedergegeben. Errichtet werden soll nun ein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage und Raumkanten entlang der Calwer Straße und der Schöckengasse. Damit wird auch dieser Teil Alt-Malmsheims für immer verschwinden.

 

(Beitrag vom August 2015/März 2016)

Calwer Straße 10 am Eingang zur Schöckengasse
Die Scheuer Calwer Straße 14
Das Fachwerk-Doppelhaus Calwer Straße 10 in einer Ansicht um 1900

Nachstehend das Schreiben des Heimatvereins vom 20. Februar 2016 in Sachen Abbruch Calwer Straße 10-14 an die Mitglieder des Ausschusses "Planen Technik Bauen" und die Stadtverwaltung:

                              

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

den Stadtnachrichten Renningen vom 18. Februar 2016 ist zu entnehmen, dass in der Sitzung des Ausschusses Planen-Technik-Bauen am 22. Februar über das Bauvorhaben Calwer Straße 10 entschieden werden soll. Dort ist die Errichtung eines Mehrfamilienhauses mit Tiefgarage vorgesehen. Der Ausschuss hatte das Projekt Calwer Straße 10 - 14 bereits am 15. Juli 2015 als Bauvoranfrage behandelt und seine Zustimmung in Aussicht gestellt. Eine Nachfrage des Heimatvereins am 8. Oktober 2015 beim städtischen Baurechtsamt ergab, dass damals noch keine konkreten Planungen vorlagen.

 

Der Heimatverein würde es sehr bedauern, wenn das Ensemble Calwer Straße 10 - 14 nun komplett abgerissen würde. Unseres Erachtens besteht aus heimat­geschichtlichen und städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse am Erhalt dieses Ensembles.

                                                               

Das Haus Calwer Straße 10 ist zwar recht unscheinbar, es dürfte aber zu den ältes­ten Häusern Malmsheims zählen, eins der ganz wenigen, die auch den Dreißig­jährigen Krieg überdauert haben. Laut Lagerbuch von 1523 befand sich an dieser Stelle einer der beiden Herrenhöfe (damals im Besitz von Caspar Scheck), an die ein großer Teil der Bauern ihre Abgaben zu leisten hatten. Die Bausubstanz des Hauses dürfte jedenfalls noch ins

16. Jahrhundert zurückreichen.

 

Die Kreiszeitung/Böblinger Bote hat dem Haus Calwer Straße 10 in ihrer Ausgabe vom 12. August 1994 einen großen, bebilderten Artikel gewidmet, der auf einem Interview mit Alfred Schautt basierte. Darin wird die eigenwillige Doppelhaus­konstruktion als einst für „Malmsheim typisch“ bezeichnet, einschließlich des halb im Boden steckenden Erdgeschosses, dem über Treppen erreichbaren Wohngeschoss und dem direkt darüber folgenden mehrstockigen steilen Dach.

 

Das Haus stellt ein Zeugnis der einstigen kleinteiligen bäuerlichen Wohn- und Lebenskultur des Dorfes Malmsheim dar. Mit seiner prominenten Ecklage markiert es den Eingang zur Schöckengasse und ist gleichzeitig ein Gegengewicht zur gegenüberliegenden Gebäudegruppe Calwer Straße 6-8, die mit ihrer Flachdach­bauweise der 70er Jahre nicht unbedingt einen städtebaulichen Höhepunkt darstellt. Auch die stattliche Scheuer Calwer Straße 14, auf die man aus der Renninger Straße direkt zufährt, ist ein optischer „Aufläufer“ von städtebaulich einprägsamer Wirkung.

 

Es liegt nun dem Heimatverein fern, den Erhalt aller alten Häuser in Renningen und Malmsheim zu fordern. Vieles kann durch Neubebauungen verbessert werden, auch ist eine Innenverdichtung im Grundsatz sehr sinnvoll. Es gibt aber einige wenige Bereiche, die für die Identität und Unverwechselbarkeit eines Ortes wichtig sind. Mit diesen Bereichen sollte behutsam und sensibel umgegangen werden. In Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt ist in dieser Hinsicht eine wachsende Besorgnis festzustellen. Die Verluste an historischer Bausubstanz in den letzten 30

Jahren waren enorm, in jüngster Zeit hat sich der Trend noch verstärkt. Selbst Häuser des „Historischen Ortsrundgangs“ (Lange Steggasse/Lerchenstraße) blieben vor dem Abbruch nicht verschont. Umso mehr sollte mit dem, was noch übrig ist, überlegt umgegangen werden.

 

Wir sind uns darüber im klaren, dass die Möglichkeiten der Stadt, auf private Bau­maßnahmen Einfluss zu nehmen, begrenzt sind. Das Ensemble Calwer Straße 10 - 14 steht ja nicht formal unter  Denkmalschutz. Allerdings hat man in der Öffentlichkeit den Eindruck, dass die Stadt in solchen Fällen auch das ihr zur Verfügung stehende Instrumentarium nicht anwendet bzw. eine Erhaltung von vornherein gar nicht anstrebt.

 

Die nun schon seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase, deren Ende nicht abzu­sehen ist, führt zu deutlich verstärkten privaten Investitionen in Immobilien. Dazu kommt die Aufwertung Renningens als Wirtschaftsstandort. Die große Nachfrage nach Immobilien - bebaut oder unbebaut – wird somit weiter wachsen und damit auch der Druck auf innerörtliche Grundstücke mit älterer, dann zum Abbruch vorgesehener Bausubstanz. Wir gehen deshalb davon aus, dass sich Fälle wie das Projekt Calwer Straße 10 – 14 in Zukunft noch öfter wiederholen werden und dass weitere Verluste für das Ortsbild zu befürchten sind.

                                                          

Wir möchten Sie bitten, die oben angeführten Gesichtspunkte bei der Beratung im Ausschuss Planen-Technik-Bauen am Montag zu berücksichtigen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Eberhard Scheck

 
   

Abriss an der Ecke Lange Steggasse/Lerchenstraße

 

Es gibt in Renningen und Malmsheim nur noch ganz wenige Stellen, an denen die bäuerliche Vergangenheit der beiden einstigen Dörfer an zusammen-hängenden baulichen Ensembles ablesbar ist. Dazu gehörte auch das Areal beiderseits der oberen Langen Steggasse in Malmsheim. Verwinkelte Anordnungen von Wohnhäusern, Scheuern und kleinen Nebengebäuden trugen zum ortstypischen Gepräge bei. Im November 2015 ist nun ein wesentlicher Teil dieser Bebauung den Abbruchbaggern zum Opfer gefallen (vgl. hierzu auch den Beitrag am Ende dieser Rubrik).

Abbruch des Doppelhauses Lange Steggasse 9. Die beiden charakteristischen Quergiebel sind bereits verschwunden. Am Gebäude war eine Tafel des von der Stadt Renningen zusammen mit dem Heimatverein geschaffenen "Historischen Ortsrundgangs" angebracht.
Abbruch des Hauses Lange Steggasse 7
Letzter Rest des Hauses Lange Steggasse 7
Auch die stattliche Scheuer des Anwesens Lange Steggasse wird abgebrochen

(Beitrag vom November 2015)

Abbruch des Gebäudes Calwer Straße 13

 

Auch wenn es vielleicht nicht mehr besonders erhaltenswert gewesen ist - es war eines der ältesten Malmsheimer Häuser. Dieser Tage (Mai 2015) ist auch das Haus Calwer Straße 13 abgerissen worden. Bereits im 1580 erstellten Lagerbuch des Amts Böblingen, den Flecken Malmsheim betreffend, ist das Haus "am Weilemer Thor" erwähnt, damals im Besitz von Althans Scheck. Das hohe Alter des Hauses war bis zuletzt noch auf der Ostseite des Hauses am altertümlichen Fachwerk mit seinen Geschoßvorstößen und großen Pfettenabständen (vgl. Abbildung) zu erkennen. Auf der Westseite war das Haus vor Jahrzehnten im Zuge des Ausbaus der Calwer/Renninger Straße verkürzt und neu aufgemauert worden.

 

(Beitrag vom Mai 2015)

Ein weiterer empfindlicher Verlust für den Malmsheimer Ortskern

In Malmsheim hat sich auf der Nordseite der Merklinger Straße - zwischen Kasernenstraße und Pfarrhaus - eine Reihe alter Hofanlagen mit Zwei- und Dreiseitgehöften erhalten. Charakteristisch sind die mit der Giebelseite zur Straße stehenden Wohnhäuser und die dahinter quer stehenden großen Scheuern. Die Scheuern sind in dichter Reihe aneinandergebaut und bildeten einst den schützenden Abschluss am Nordrand des alten Dorfes. Dahinter befindet sich der teilweise noch erhaltene alte Ortsetterweg. Auf diese Situation wird auch bei Ortsführungen immer wieder aufmerksam gemacht.

 

In den letzten Märztagen des Jahres 2014 ist nun eine weitere dieser alten Scheuern (Anwesen Merklinger Straße 12) dem Abbruch zum Opfer gefallen. Die Scheuer stand in direktem Anschluss an das Heimatmuseum. In seiner Sitzung am 11. September 2013 hatte der Ausschuss "Planen-Technik-Bauen" des Gemeinderats den kompletten Abriss und die Neuerrichtung eines Mehrfamilienwohnhauses einstimmig gebilligt.

 

(Beitrag vom April 2014)

Abbruch der Scheuer des Anwesens Merklinger Straße 12

Wichtig für das Ortsbild: Erhaltung des Gebäudes Perouser Straße 12

Nähert man sich von der Perouser Straße der Ortsmitte von Malmsheim, so hat man einen eindrucksvollen Anblick vor sich: Die Germanuskirche mit ihrem barocken Turmhelm, davor das Rathaus mit Walmdach und Türmchen und das Backhaus mit seiner Fachwerkfront. Das ganze wird links und rechts der abfallenden Straße gesäumt von einer Reihe alter Gebäude, darunter das in den letzten Jahren sehr schön sanierte Gebäude Perouser Straße 9.

 

Das markanteste dieser alten Häuser ist jedoch das gegenüberliegende Haus Perouser Straße 12 mit seinem hohen, steilen Giebel. Es steht in direkter Verbindung mit der dahinter liegenden Reihe großer, stattlicher Doppelscheuern, die zu den Hofanlagen in der Langen Steggasse gehören. Diese eindrucksvolle Gebäudegruppe ist einer der letzten noch geschlossen erhaltenen Reste des einst bäuerlich geprägten Malmsheim.

 

Seit 1989 befand sich das Haus Perouser Straße 12 teilweise, von 1997 an ganz im Eigentum der Stadt, seit 2001 war es unbewohnt und stand leer. Immer wieder hat der Heimatverein die Stadtverwaltung auf die städtebauliche und historische Bedeutung des Hauses hingewiesen und gebeten, es zu erhalten und dem Verfall entgegenzuwirken. Bauuntersuchungen haben nun Interessantes ergeben: Das Haus - einschließlich Dachstuhl - enthält eine uralte spätmittelalterliche Fachwerkkonstruktion mit sogenannten Verblattungen, wie sie vor dem Jahr 1500 üblich waren. Auch sonst deuten viele Befunde auf das außerordentlich hohe Alter des Hauses hin. Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass ein großer Teil des verwendeten Holzes aus dem Jahr 1468 stammt. Im Jahr 1580 gehörte das Haus dem Schultheißen und Wirt Alt Hans Schneider, übrigens der am längsten amtierende Malmsheimer Schultheiß mit 41 Dienstjahren. Im Lauf der Jahrhunderte kam es immer wieder zu Umbaumaßnahmen, die einschneidenste im Jahr 1799, die - auch im Innern - zu Stilelementen des Spätbarock geführt hat.

 

Mittlerweile hat das Haus private Eigentümer gefunden, die es erhalten sowie schonend und aufwendig saniert haben. Ihnen ist für ihr vorbildliches Engagement, das auch im öffentlichen Interesse liegt, sehr zu danken.

 

(Beitrag aktualisiert im Mai 2016)

Gebäude Perouser Straße 12 vor der Sanierung

Abriss ist beabsichtigt

In seiner Sitzung am 21. November 2011 hat der Ausschuss "Planen-Technik-Bauen" des Renninger Gemeinderats einstimmig und ohne größere Diskussion dem Abbruch der Anwesen Lange Steggasse 7 und 9 und der Bauvorentwurfsplanung für eine Neubebauung zugestimmt.

Für das Malmsheimer Ortsbild ist das ein bedauerlicher Verlust.

 

Das Gebäude Lange Steggassse 7 dürfte aus dem 17./18. Jahrhundert stammen. Das Gebäude Lange Steggasse 9 mit seinem doppelten Quergiebel und die zugehörige Scheuer sind Teil des "Historischen Stadtrundgangs" und mit einem Hinweisschild (Nr. 14) der Stadt und des Heimatvereins versehen. Insbesondere die recht stattliche Fachwerk-Doppelscheuer am Anfang der Lerchenstraße ist in hohem Maße ortsbildprägend. Das Wohnhaus und die quergestellte Scheuer bilden einen nach Süden offenen Platzraum, der später wahrscheinlich entfallen wird.

 

(Beitrag vom März 2013)

 

Gebäude Lange Steggasse 9 mit Scheuer